klassische Physiotherapie

PNF (KG ZNS)

PNF ist eine Behandlungsmethode der Physiotherapie, welche auf dem Zusammenspiel von Nerven und Muskeln aufbaut. Sie findet Anwendung bei Patienten aller medizinischen Fachbereiche, bei denen das Bewegungsverhalten durch eine Erkrankung, Verletzung, Operation oder Degeneration gestört ist.

Zum Erlernen dieser Behandlungstechnik muss der Therapeut mindestens zwei Jahre Berufserfahrung nachweisen und spezielle Fortbildungen absolvieren, die mit einer Zertifikatsprüfung abschließen. Diese Behandlungsmethode ist über KG ZNS über die gesetzlichen Krankenkassen abrechenbar.

Die Abkürzung PNF steht für Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation.

Propriozeptiv bedeutet soviel wie Tiefensensibilität, besser gesagt: Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum. Spezifische Rezeptoren (sogenannte Bewegungsfühler), die sich an der Gelenkkapsel, an Bändern und Sehnen befinden, registrieren Informationen über Muskelspannung, Muskellänge und Gelenkstellung bzw. –bewegung. Über aufsteigende Nervenbahnen werden diese Informationen zentral (im Kleinhirn, Großhirn) verarbeitet und über absteigende Bahnen muskulär beantwortet.

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Neuromuskulär bedeutet die Verbindung, also das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nerven.

Fazilitation heißt etwas einfach machen oder erleichtern, hier bedeutet es dem Patienten die Bewegung zu erleichtern.

Der Methode der Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation
liegt eine Behandlungsphilosophie zu Grunde, deren Ausgangspunkt darauf beruht, dass jeder Mensch, auch jeder Patient, über schlummernde motorische Möglichkeiten verfügt, die durch geeignete Fazilitationen stimuliert und aktiviert werden können.

Daneben werden bestimmte Behandlungsprinzipien berücksichtigt:

  • Positive Grundeinstellung: Der Patient sollte auf einem für ihn passenden physischen, psychischen und sozialen Niveau behandelt werden.
  • Optimale Funktionfähigkeit: Als oberstes Behandlungsziel steht immer die Erlangung der optimalen Funktionsfähigkeit des Patienten
  • Den ganzen Menschen behandeln: Jede Behandlung richtet sich auf den Menschen in seiner Gesamtheit; es werden nicht nur einzelne Körperteile oder Probleme behandelt.

 

Entwickelt wurde die PNF in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA, durch den Neurophysiologen Herman Kabat und die Physiotherapeutin Margaret Knott, als ein physiotherapeutisches Analyse- und Behandlungskonzept.

Hier wird das Bewegungsverhalten eines Patienten im Vergleich mit physiologischer (gesunder, natürlicher) Bewegung analysiert, um gemeinsam mit ihm Ziele für eine Verbesserung des Bewegungsverhalten zu setzen und entsprechend die Behandlung zu planen.

Die PNF hat das Ziel, pathologisch (krankhaft) veränderte Bewegungsabläufe wieder zu physiologischen (gesunden) Bewegungsabläufen zurückzuführen.

Dafür wird die Tatsache genutzt, dass die physiologischen Bewegungsmuster der Körperabschnitte und Gesamtbewegungsmuster (z.B. Musterkombinationen im Gehen) im zentralen Nervensystem abgespeichert sind. Alle Bewegungsmuster zeichnen sich durch eine festgelegte Dreidimensionalität aus.

In der Praxis werden durch genau festgelegte taktile Reize einfache Gesamtbewegungen an funktionierenden Körperabschnitten durchgeführt, um diese Potentiale auf gestörte Bewegungsabläufe zu übertragen.

Die summierten Reize des Bewegungsmusters werden über das periphere Nervensystem zum zentralen Nervensystem (ZNS) geleitet, Dort wird das einzelne Bewegungsmuster als Teil eines Gesamtbewegungsmusters erkannt, woraufhin das ZNS die entsprechenden Aufträge für eine muskuläre Aktivität in alle anderen am Bewegungsmuster beteiligten Körperabschnitte sendet.

Je nach Krankheitsbild werden so Bewegungsmuster eingeübt, die schwer fallen oder ganz fehlen. Das können z.B. alltägliche Fähigkeiten sein wie:

  • Aufstehen aus eigener Kraft
  • Sicher Gehen
  • Gleichgewicht halten
  • Treppen steigen ohne Mühe Geschicklichkeit der Hände
  • Selbstständig an-und auskleiden
  • Essen, Schlucken, Sprechen, Atmen

 

Behandlungsziele:

  • Muskelspannung normalisieren
  • Fördern der motorischen Kontrolle
  • Fördern der Mobilität
  • Fördern der dynamischen Stabilität, Ausdauer, Kraft
  • Fördern der Geschicklichkeit, Koordination
  • Wiederherstellung gesunden Bewegungsverhaltens

 

PNF hilft Menschen mit Störungen des Bewegungs- oder Stützapparates. Insbesondere wird PNF angewandt bei Bewegungsstörungen auf Grund von:

  • Multipler Sklerose
  • M. Parkinson
  • Querschnittslähmung
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Schlaganfall
  • Gelenkoperationen z.B. an Hüfte, Schulter oder Knie
  • Sportunfällen